Deformierte, fehlerhafte Kehllappen.

Beobachtungen und Erfahrungen in der eigenen Zucht, sowie meine

Meinung zu diesem Punkt.

 

In den letzten Jahren finden wir auf den Bewertungskarten, in der Spalte Mängel, immer häufiger Kehllappenfehler der verschiedenen Formen aufgeführt. Vor ca. 10 Jahren gab es diesbezüglich weniger Zurücksetzungen.

Als Sammler alter Fachliteratur und allem was dazu gehört, kam ich behaupten, diese Fehler gab es schon immer, auch in allen Rassen, nur hat sich kaum jemand daran gestört. Das Vervollkommnen oder Fehlersucherei, kann man als Ursache nehmen, ich tendiere zum ersten.

Wir müssen die Fehler in zwei Kategorien aufteilen. Erstens verletzungsbedingte Fehler, die ich mit ungefähr 20% angeben möchte, zweitens erbliche Fehler, die etwa 80% ausmachen. Die verletzungsbedingten Fehler treten meistens bei den Hähnen auf. Schon im Kükenalter passiert dies öfter als wir überhaupt annehmen. Wenn sich die kleinen Hähnchen im Alter ab 6 Wochen balgen und eine Rangordnung festlegen. Die Verletzungen sind oft so klein, dass man sie kaum oder auch gar nicht bemerkt. Mit zunehmenden Alter nimmt die Vernarbung eine größere Fläche am Kehllappen oder Kehllappenansatz ein, so entstehen dann diese deformierten Kehllappen, wie die Bilder sie zeigen. Wenn die Hähne älter sind und sich raufen, dann fließt auch schon mal Blut, der Züchter sieht sich dann den Schaden schon genauer an und hat dann ein "Auge" auf das besagte Tier. Solche Tiere kann man uneingeschränkt in die Zucht einbauen da sie dieses nicht vererben.

Der zweiten Form von fehlerhaften Kehllappen, dem vererbbaren Fehler, ist höchste Aufmerksamkeit zu widmen, will man dieses nicht in seine Zucht integrieren! Oder der Züchter steht fassungslos vor dem Käfig auf der Ausstellung und kann es kaum fassen, dass es eine niedrige Note gegeben hat. (Das ist oft der Fall). Meist werden die Fehler über eine Henne eingebracht, da der Hennenkopf drei bis viermal kleiner ist als der Hahnenkopf fallen die Fehler weniger auf, finden weniger Beachtung. Auch wer einen Hahn mit Querfalten in seine Zucht aufnimmt, darf sich nicht wundern wenn dieses kontinuierlich durch seine Zucht verläuft. Dieser Fehler wird in den Nachzuchten immer wieder auftreten! Die Kehllappen der Hennen müssen genauestens kontrolliert werden. Eine kaum sichtbare Falte erscheint in der männlichen Nachzucht drei bis viermal so groß, dann sieht der Züchter das Dilemma und das suchen nach dem entstandenen Fehler beginnt.

Die Ursachen liegen in vielen Bereichen. Zum einen streben wir kleine Köpfe bei unseren ZC an. Zum kleinen Kamm gehört auch ein kleiner Kehllappen. Da die Kopfblüte und endgültige Entwicklung oft auch erst nach der Ausstellungszeit, also beim Legebeginn, abgeschlossen ist, wird es erst spät festgestellt. Selbst in meiner Zucht wird die Endstation der Entwicklung erst beim Legen erreicht. Ich verbringe einiges an Zeit, damit diese Dinge schon im Vorfeld ausgemerzt werden. Nach meiner Erkenntnis haben wir in unseren ZC­-Zuchten sehr viele Tiere, die kaum oder gar keine Perlung oder Körnung auf den Kämmen und den Kehllappen zeigen. Dadurch sind vor allem die Kehllappen sehr weich und lapperich, drehen und winden sich in alle Richtungen. Hier fehlt die Festigkeit im Kehllappen und manchmal auch im Kammblatt. Unseren Züchtern habe ich dieses bei den Tieren schon des öfteren gezeigt. Zudem sollen die Kehllappen rund sein, oft sind diese zipfelig und lang. Der Kehllappenansatz am Schnabel bekommt viel Stabilität wenn dieser durch ein kleines warzenähnliches Gebilde, oder auch Verdickung, stabilisiert wird. Oft werden unförmige und faltige Kehllappen dadurch hervorgerufen, dass diese Tiere eine Wamme oder einen ähnlichen Ansatz haben. Dadurch. werden die Kehllappen zur Seite gedrängt oder körperwärts zurück geschoben. Hier haben wir dann immer diese offenen, sich fast einrollenden Kehllappen.

Diese Zeilen sind nicht dazu gedacht, dass die Züchter nur noch "Kehllappen-­Hühner" heraus filtern und alles andere weniger berücksichtigen. Jetzt, zur beginnenden Ausstellungssaison stellt man sich schon seine Zuchttiere für das nächste Zuchtjahr zusammen, und vielleicht sollte man auf diese Dinge etwas mehr achten.

Bei der Bewertung muss man abwägen, wie deutlich dieser Fehler in Erscheinung tritt. Oft genügt doch schon ein Hinweis auf der Bewertungskarte in der Spalte "Wünsche". wenn eine Bewertungskarte fast ausschließlich mit Wünschen und Forderungen über die Kehllappen ausgefüllt ist, sage ich:" ‑‑ dem ist nichts anderes eingefallen!"

 

Euer Hans-Dieter Prekel

 

Fotos: Hans-Dieter Prekel u. Horst Bastian

 

Bild 1: Idealer Kehllappen einer Henne, einwandfrei gerundet mit feiner Körnung

Bild 2: Die Henne zeigt hier eine Falte, der hintere Teil des Kehllappens dreht sich nach innen, Punktabzug.

Bild 3: Eine deutliche Querfalte bei der Henne, bei der Benotung nicht höher als 90 P/b

Bild 4: So sieht ein Jahr später die Nachzucht von dieser Henne aus, auch hier höchstens 90 P/b

Bild 5: Verkrüppelter Kehllappen durch Rauferei, Note 90 P/b

 

Bild 6: Kehllappentasche, bei einem sonst sehr guten Kehllappen mit feiner Körnung, bei der Bewertung Punktabzug

 

Bild 7: Verkrüppelter Kehllappen durch Rauferei, höchstens die Note 90 P/b

 

Bild 8: Verkrüppelter Kehllappen durch Rauferei, höchstens die Note 90 P/b

 

Bild 9: Verkrüppelter Kehllappen, erbbedingt, höchstens die Note 90 P/b

 

Bild 10: Sich wickelnder Kehllappen mit zwei Längsfalten, Zurückstufung in der Note, dieses ist die Nachzucht von Bild 2

 

Bild 11: Langer, dünner, sich leicht aufklappender Kehllappen, aber mit feiner Körnung, im vorderen Kehllappen fehlt ein Stückchen, Zurückstufung in der Note

Diese Kehllappenfehler sind keine Ausschlussfehler sondern teils Wünsche, teils Fehler oder grobe Fehler. Siehe AAB Beschlüsse und Richtlinien 09.02.2000

 

Der Artikel wurde dem „Federball“ des SV der Zwerg-Cochin-Züchter entnommen. Der Bezirk Mittelfranken bedankt sich hierfür sehr herzlich.

 

Bild 12: Sehr langer Kehllappen, aber mit feiner Körnung, Vorder- und Hinterkante rollen sich nach außen, auch hier eine Zurückstufung in der Note