Die Frage, wann und wo Hühner zuerst domestiziert wurden, kann nicht eindeutigbeantwortet werden. Lange Zeit galten archäologische Funde im Industal, die mit der Harappan - Kultur (2500 - 2100 v. Chr.) in Verbindung standen, als erster Hinweis auf domestizierte Hühner. Abb. Terrakottafigur eines Huhnes vor dem Futternapf aus Mohenjo-Daro. Landwirtschaft war die Grundlage der Harappan-Kultur mit ausgedehnten Handelswegen bis in das Zweistromland (Mesopotamien), so dass vom Industal aus das Haushuhn verbreitet wurde. Siegel mit kämpfenden Hähnen deuten auf die Rolle des Hahnenkampfes hin. Jüngere Ausgrabungen in der chinesischen Provinz Hebei stießen auf eine primitive landwirtschaftliche Kultur, die Cishan-Kultur (5900 - 5400 v. Chr.) und ergaben an Hand der Knochenfunde, dass neben Hunden und Schweinen auch Hühner domestiziert gewesen sein müssen. Inzwischen gibt es 16 Funde der jüngeren Steinzeit in Nordchina mit Hinweisen auf Haushühner, die älter sind als die Funde im Industal. Da dieses Gebiet in den vergangenen Jahrtausenden aus einer semiariden Steppe bestand, kann es nicht als natürliches Verbreitungsgebiet des Dschungelhuhnes angesehen werden. Das führt zu der Schlussfolgerung, dass die Domestikation des Haushuhnes in Südostasien stattfand und die Hühner von dort vor 8000 Jahren nach Nordchina gelangten. Die Haustierwerdung des Huhnes liegt somit etwa 8000 Jahre zurück.
Demgegenüber hatte Darwin die Ansicht vertreten, dass Hühner etwa 1400 v. Chr. von Indien nach China gelangt sind, zumal nach chinesischen Schriftstücken das Huhn um 1000 v. Chr. als Kreatur des Westens, gemeint ist Nordindien, bezeichnet wird. Unter der Herrschaft des Königs WU, 1121 v. Chr. wird in einem altchinesischen Geschichtswerk, dem Schukin, dargelegt, dass es als Vorzeichen des Untergangs einer Familie gilt, wenn eine Henne wie ein Hahn krähe. Diesen Vorgang können wir auch heute in kleinen hahnenlosen Herden beobachten.
Von Vorderindien gelangte das bereits domestizierte Huhn etwa im 2. Jahrtausend v.d.Z. nach Persien und Mesopotamien und erlangte hier große kultische Bedeutung. Der Hahn galt den Persern als heiliger Vogel und in der Religionslehre von Zarathrusta (7./6. Jh. v. Chr.) ist der Hahn Symbol des Lichtes, Verkünder des Morgens und Verscheucher der Dämonen.
Die Medier spielten eine große Rolle bei der Verbreitung des Huhnes, das bei den Griechen als Medischer Vogel bekannt wurde. Siegel aus dem 8. Jahrhundert v. Chr. zeigen Hühner in religiösem Zusammenhang und immer wieder kämpfende Hähne. In Ägypten taucht das Huhn erst um 1500 v. Chr. auf.
Auf einer Grabwand von Rekhmara (1450 v. Chr.) war ein Hahnenkopf abgebildet. Eine 2. Abbildung zeigt einen Hahn auf einer Scherbe aus dem Grabmal von Tutenchamon (1338 v. Chr.). In den Annalen des Thutmosis III. (1479 - 1447 v. Chr.) werden auf einer Tributliste eines asiatischen Landes Hühner erwähnt. Danach verschwinden Hinweise auf das Huhn über längere Zeit, so dass Crawford (1984) der Meinung ist, dass die erwähnten Abbildungen auf den Handel zurückzuführen sind. Brandsch (1987) erwähnt allerdings auch, dass in den Annalen des Thutmosis III. (um 1500 v. Chr.) von Vögeln, die jeden Tag ein Ei legen, die Rede ist. Erst ab 600 v. Chr., vor allem in der Zeit der Ptolemäer, sind Hühner ständig in Ägypten anzutreffen. In dieser Zeit sind auch Brutöfen für die künstliche Brut entstanden.
In Palästina sind Hühner seit dem Beginn des 7. Jh. v. Chr. bekannt, also zur selben Zeit, als in Ägypten das Huhn wieder erschien. Alle Anzeichen sprechen für eine ausgiebige Nutzung für Hahnenkämpfe. Im Alten Testament gibt es keine Hinweise auf das Huhn. Die Taube wurde jedoch von Noah schon als Bote genutzt. Im neuen Testament gibt es Hinweise, dass das Huhn bekannt war. So sagt Jesus einmal: „Wie oft habe ich Euch versammeln wollen, wie eine Henne versammelt ihre Küken unter ihren Flügel und ihr habt nicht gewollt.“ Bei seiner Gefangennahme ruft er Petrus zu: „Ehe noch der Hahn kräht, wirst du mich dreimal verleugnet haben.“
Eine große Rolle bei der Verbreitung des Huhnes haben die Phönizier gespielt. Möglicherweise haben sie das Huhn nach Britannien und an die deutsche Nordseeküste gebracht. Sie hatten eine Sterngruppe, die Plejaden, mit dem Namen „Glucke mit Küken“ benannt.
In der griechischen Antike genoss das Huhn als kultisches Tier, als Orakel-Vogel und Nutztier große Verehrung. Der griechische Dichter Homer (um 800 v. Chr.) erwähnt das Huhn noch nicht, so dass anzunehmen ist, dass er es nicht kannte. Der Grieche Theognosis erwähnte den Vogel in der zweiten Hälfte des 6. Jahrhunderts v. Chr. Der Kampf der Hähne wird von den Dichtern mit dem Streit unter Menschen verglichen. Bekannt ist die Anweisung des Philosophen Sokrates (469 - 399 v.Chr.), wonach man nach seinem Tod dem Gott Asklepios einen Hahn opfern sollte.
Aus dem 6. Jahrhundert v.d.Z. gibt es Vasen mit Darstellungen von Hühnern und Hahnenkämpfen.
Aristoteles (384 - 322 v. Chr.) unterscheidet schon zwischen einer edlen und einer gemeinen Rasse und beschreibt das Kastrieren von Hähnen, das Verpaaren und das Eierlegen. Pythagoras (580-496 v. Chr.) wollte den Verzehr der Eier verbieten, da sie dazu bestimmt seien, neues Leben hervorzubringen.
Auf Schiffen kamen die Hühner nach Sizilien und Süditalien, den damaligen griechischen Kolonien. In Sizilien sind es die Städte Himera und Selinus, wo die Hühner zwischen 500 und 400 v. Chr. eine größere Bedeutung erlangten. Alte Vasen aus Italien zeigen, daß hier im 5. bis 6. Jh. v.d.Z. das Huhn bekannt ist.
In Rom spielte das Huhn eine besondere Rolle als weissagender Vogel. Jede römische Legion hatte einen Augur (einen weissagenden Priester) und einen Hühnerwärter (pularius), die gemeinsam das Augurium, das Befragen der Götter vornahmen. Von mitgeführten Hühnern glaubte man vor Kriegen aus dem Verhalten Schlüsse ziehen zu können auf Sieg oder Niederlage. Als gute Vorbedeutung wurde das Krähen der Hähne angesehen. Weiterhin wurde angenommen, dass die heiligen Hühner durch gieriges Fressen eine besonders günstige Ausgangslage andeuteten. Aus dem Fressen oder Nichtfressen der Hühner aus der Hand des Hühnerwärters (pularius) schloss man gute oder schlechte Aussichten. Schwer zu büßen hatte allerdings der Feldherr Publicus wegen seiner Ignoranz gegenüber den weissagenden Hühnern. Der Schriftsteller Valerius Maximus berichtet dazu: „Als Publicus Claudius im ersten punischen Krieg eine Seeschlacht liefern wollte, verkündigte ihm der Hühnerwärter, die heiligen Hühner wollten nicht aus dem Käfig heraus und nicht fressen. Da ließ Claudius sie ins Meer werfen mit den Worten: „Wollen sie nicht fressen, so sollen sie wenigstens saufen!“ Er verlor aber die Schlacht und ward vom Volk verurteilt.“
Als äußerst günstig wurde das „Tripudium“, der Dreischlag, angesehen. Dieser bestand darin, dass das Huhn ein ihm vorgeworfenes Stück Futter zweimal aufnahm und fallen ließ und erst bei der dritten Aufnahme verzehrte.
Schriftliche Nachrichten über das Haushuhn in Italien geben die alten römischen landwirtschaftlichen Schriftsteller. Cato (234 - 151 v.d.Z.) erwähnt in seinem Buche „De re rustica“ das Stopfen der Hühner. Varro (116 - 28 v.d.Z.) nennt 3 Rassen, die Tanagrischen, Medischen und Chalcidischen, deren Zucht aber weniger empfehlenswert sei als die der gewöhnlichen Haushühner mit rötlichem Gefieder, schwarzen Flügeln und Schwanzfedern, großem Kopf und hohem Kamm (den Vorläufern unserer rebhuhnfarbigen Italiener?).Horaz (65 - 8 v. Chr.) empfiehlt das Ertränken von Geflügel in Wein, weil es dann besonders köstlich schmecke.
Columella (50 v. Chr.) weiß von 7 bis 8 Rassen zu berichten und gibt Anweisungen zur Haltung, Pflege und Mästung der Hühner. Auch 5-zehige Hühner gab es zu dieser Zeit schon.
Auf welchem Wege das Haushuhn nach dem mittleren und nördlichen Europa gelangte, ist nicht eindeutig erwiesen. Vor dem 5 Jh. v. Chr. dürfte der Zeitpunkt nicht anzusetzen sein. Die Kelten besaßen die Hühner bereits im 1 Jh. v. Chr., denn Caesar findet sie in Britannien vor. Die Römer haben mit Sicherheit erheblich für eine Verbreitung des Huhnes inner- und außerhalb des römischen Machtbereiches gesorgt. Bereits zur Römerzeit gab es aber bei den Germanen Rassen, die nach Farbe, Größe und Legeleistung unterschieden werden konnten. Auch bei den Germanen hat der Hahn in der Mythologie eine Rolle gespielt. In den Sälen Wotans weckten 2 Hähne die Helden. Speziell rote Hähne waren den Lichtgöttern, den Asern, heilig und sie galten als das Sinnbild des Feuers, woher die Redensart „jemanden den roten Hahn auf das Dach setzen“ stammt.
Urkundlich ist erwiesen, dass nach dem „Salischen Gesetz“, verfasst zwischen 453 und 486 für ein gestohlenes Huhn oder eine gestohlene Gans Geldstrafen zu entrichten waren.
Unter der Regierung der Frankenkönige, also vor ca. 1200 Jahren waren die großen Meierhöfe angewiesen, 100 Hühner und 30 Gänse zu halten. Für die kleineren Meiereien waren 50 Hühner und 12 Gänse vorgeschrieben. Daraus kann entnommen werden, dass der Geflügelhaltung ein großer Wert beigemessen wurde.
An die Klöster, Könige und Ritter waren Eier, Fleisch und Geflügel als Lehen abzugeben. Die Vögte und Lehnsleute waren daher verpflichtet Geflügelzucht zu betreiben. Vor dem 30-jährigen Krieg bestand in Deutschland eine blühende Geflügelzucht.
Erst im 18. Jahrhundert kam es zu einem Aufstieg in der Geflügelzucht, namentlich durch die eingewanderten Hugenotten aus Frankreich, die neue Methoden der Erzeugung von Mastgeflügel mitbrachten.
In den 40-iger Jahren des vorigen Jahrhunderts bekam die Geflügelzucht in Deutschland starke Impulse durch Importe neuer Rassen aus Spanien und vor allem aus England, die zu einem Aufschwung in der Geflügelzucht führten. Durch Robert Oertel wurde in Görlitz 1852 der „Hühnerologische Verein“ gegründet. Dieser hatte sich die Aufgabe gestellt, die Geflügelzucht durch Zuchtwahl und Verbesserung der Haltungsbedingungen zu fördern und die maßgebenden Stellen im Staate auf den Wert dieses Tierzuchtzweiges hinzuweisen. Seine Gedanken fanden in den Kreisen der Geflügelzüchter großen Anklang, so dass überall im Land Geflügelzuchtvereine entstanden. Bis 1890 waren es nahezu 700 Vereine, die den „Bund Deutscher Rassegeflügelzüchter“ bildeten.
Ein Geheimnis bleibt, wie manche Völker auf den Südseeinseln und in Südamerika zu Hühnern gekommen sind. Nachweislich waren auf den Osterinseln schon Hühner vor ihrer Entdeckung durch Europäer. Die Anekdote berichtet, dass 1772 ein holländischer Admiral nach Umsegelung von Kap Horn im starken Sturm vom Kurs abkam und in wattedicken Nebel geriet. Plötzlich rief ein Matrose, er habe ein Hahn krähen gehört. Der Admiral ließ ankern. Am anderen Morgen, am Ostersonntag, hörte man ein Krähkonzert von 3 Seiten. Als der Nebelschleier zerriss, sah man dicht vor sich eine Insel mit einem hochragenden Berg. Das ganze Schiffsgeschwader befand sich in einer Bucht und wäre ohne den Krähruf des Hahnes an den Felsen zerschellt. Da sich dies am Ostersonntag zutrug, bekamen die Inseln den Namen „Osterinsel“.
In Südamerika gibt es eine Haushuhnrasse besonderer Art, das Araucanahuhn. Vertreter dieser Rasse sollen bei den Indianern der Westküste schon vor der
Entdeckung Amerikas durch Columbus als Haustier eurasischer Herkunft gehalten worden sein. Die blauschaligen Eier sind als ein eigenartiges Domestikationsmerkmal anzusehen; denn alle Wildhühner legen weißschalige Eier.